nichts
INGO LIE

BABYLON

Ikarusnichts
"als"
Öl auf Holz, teils gebrannt
244 x 175 cm
2000
Fussnichts
"ausgangs"
Öl auf Holz, teils gebrannt
242 x 90 cm
2001
nichts
Handnichts
"Manifest"
Öl auf Holz, teils gebrannt
193 x 124 cm
2001
Mauernichts
"zweierlei (Berlin)"
Acryl und Wachs auf Holz, teils gebrannt
173 x 123 cm
2001
nichts
Mendels Sprungnichts
"Mendels Sprung"
Öl und Wachs auf Holz,
teils gebrannt
180 x 135 cm
2003
Der Archipelnichts
"Der Archipel"
Öl auf Holz, teils gebrannt
125 x 250 cm
2000
nichts

Das Konzept gründet auf der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel
(1. Mose 11).
Besonders bezieht es sich auf drei, nicht aufeinander folgende Verse: (1.) Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte... (2.) Bauen wir uns... einen Turm mit der Spitze zum Himmel...
(3.) Jetzt wird ihnen (den Menschen) nichts mehr unerreichbar sein...

Zwischen diesen Versen wird ein architektonisches Vorhaben in Absicht und Durchführung geschildert. Das Vorhaben scheitert. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Je nach der Perspektive des Betrachters: der Wille Gottes, die Hybris des Menschen, die Unzulänglichkeit der Mittel, die Unerreichbarkeit des Himmels.
Der Turm wird nie vollendet. Hinter dieser Bauruine verliert sich der Sinn des Unterfangens. Vor allem aber bricht das weltweite Einverständnis zusammen, die gemeinsame Kultur und somit ihr Selbstverständnis.

Das Konzept "Babylon" will nun nicht nur auf Vorhaben und Scheitern hinweisen, sondern auf das permanente Trotzdem. Seit dem ersten Turmbau hat die Geschichte sicherlich Hunderte von Malen Planungen und Prozesse, Aufbauten und Einstürze erfahren. Reiche sind entstanden und untergegangen, Wirtschaften erblüht und zerstört, Paradiese erdacht und vernichtet worden. Seit dem ersten Turmbau ist der Himmel zugleich größer und ferner geworden.

"Babylon" berührt diese Nahtstelle zwischen Scheitern und Neubeginn. Wie wäre es, wenn die kulturelle Evolution erst mit dem Zusammenbruch und der Verwirrung ihren Anfang nähme? Und das jedesmal aufs Neue. Als gäbe es niemals ein definitives Ende, wie auch niemals einen definitiven Neubeginn.

Alles, was ist, ist belebt. Liebe ist belebt. Planung ist belebt. Maßlosigkeit ist belebt. Selbst der Tod ist belebt. Am Anfang steht das Ende, wie am Ende der Anfang.